Fundmaterial
aus der Grabungskampagne 1999 auf der Burgruine Runding
Anlässlich
der Jahreshauptversammlung der Rundinger „Burgfreunde“ gewährte Bernhard
Ernst in einem Dia-Vortrag Einblick in das Fundmaterial aus den Grabungen des
vergangenen Jahres. Im folgenden Beitrag hat der Archäologe seine Erkenntnisse
zusammengefasst.
1999
kamen insgesamt 57000 Einzelfunde zutage, bei der noch nicht aufgearbeiteten
Kampagne 2000 dürfte sich die Zahl auf weitere 40000 belaufen. In der
Hauptsache handelt es sich um Keramik, Knochen und Glas, aber auch um zahlreiche
Metallfunde aus Eisen, Bronze, Messing und Blei. Hinzu kommen steinerne
Architekturfragmente. Die Keramik macht – abgesehen von den unbearbeiteten
Knochen, die als Schlacht- und Speiseabfälle anzusehen sind – die Masse des
Fundmaterials aus. Die ältesten Stücke reichen bis ins 10. Jahrhundert zurück.
Es handelt sich dabei um Bruchstücke von einfachen bauchigen Töpfen. Diese
waren bis ins 13. Jahrhundert hinein – ergänzt um nur wenige andere Gefäßformen
– das Universalküchengeschirr für alle Bereiche der Nahrungszubereitung und
der Vorratshaltung. Bei den handgeformten Töpfen ändert sich in der Hauptsache
die Form der Randgestaltung. Im 13. Jahrhundert setzen sich dann auf der schnell
laufenden Töpferscheibe hergestellte Behältnisse durch, die bis zum 15.
Jahrhundert zunehmend schlankere Proportionen erhalten. Ab dieser Zeit setzt
sich auch im Rundinger Fundmaterial die Glasur der Innen- und zum Teil auch der
Außenseite durch.
Hervorzuheben
unter den älteren Stücken ist ein glasiertes Sauggefäß („Nuckelfläschchen“)
des 13. Jahrhunderts. Aus dem 15. Jahrhundert ist vielfach stempelverzierte
Keramik vertreten, die als Import aus Böhmen angesehen werden kann. Ebenfalls
um Importe handelt es sich bei den Bierbechern vom Loschtitzer Typ und solchen
mit Vierpassmündung. Als besonders bemerkenswert muss das Fragment eines
Humpens der so genannten „Falke-Gruppe“ angesehen werden. Es handelt sich
dabei um aufwendig stempelverziertes Steinzeug mit figürlichen Applikationen,
das – hergestellt in Sachsen – in bisher weniger als 100 Exemplaren
europaweit bekannt und meist nur im gehobenen Milieu anzutreffen ist. Da diese
Keramik in der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts hergestellt wurde, wird man
nicht fehlgehen, das Fragment als zum persönlichen Trinkgeschirr des ersten
Nothaft auf Runding zugehörig anzusehen. Im Vergleich dazu nehmen sich die
Reste spätmittelalterlicher Öllämpchenund konischer Schüsseln geradezu
bescheiden aus.
Einen
weiteren Schwerpunkt des keramischen Fundmaterials machen Stücke des 16. und frühen
17. Jahrhunderts aus. Natürlich ist auch hier – wie auch bei den Funden des
18./frühen 19. Jahrhunderts – sehr stark der meist gehenkelte Topf vertreten.
Hinzu kommen zahlreiche Nachttöpfe, flache Dreibeintöpfe, welche wieder dem
Kochgeschirr zugehören, und zahlreiche Miniaturgefäße, welche zumindest
teilweise als Spielzeug anzusehen sind. Ehemals sehr prächtige Stücke waren
auch die Reste mehrerer Glutschalen, die bei Tisch aufgestellt wurden.
Hervorzuheben sind frühe Malhornware, die aus Straubing stammen dürfte,
Keramik mit aufwendigem Ritzdekor und einige Stücke der polychrom glasierten,
so genannten „Hochdekorierten Irdenware“, die früher mit der Nürnberger
Werkstatt Preuning in Zusammenhang gebracht wurde. Es handelt sich dabei um die
Reste mehrerer Töpfe und eines zu einem Terrinedeckel oder Tafelaufsatz gehörenden
Hummers. Mit einigen Fragmenten von Raerener Steinzeug ist aber auch wieder
Importkeramik, diesmal aus dem Rheinland, vertreten.
Im
Fundmaterial des späten 18. und 19. Jahrhunderts, das in den Abbruchschichten
reichlich zum Vorschein gekommen ist, tritt derartig prächtige Keramik deutlich
seltener auf. Meist ist nur noch einfaches Gebrauchsgeschirr vertreten. Dabei fällt
insbesondere die große Stückzahl teils großer Schüsseln auf. Fayencen und
Steingut sind nur in bescheidenem Umfang darunter.
Neben
der Gebrauchskeramik fanden sich auf der Burg große Mengen an Ofenkacheln.
Diese setzten verstärkt im 15. Jahrhundert mit verschiedenen
Schüsselkachelformen ein. Hinzu kommen zahlreiche, meist gelb und grün
glasierte Blattkacheln mit Darstellungen von Engeln, Löwen, Heiligen, Wappen
etc. Besonders interessant erscheinen Maßwerkkacheln, unter anderem mit
zentraler Drachen-/Teufelsdarstellung.
Ins
16. Jahrhundert datieren zahlreiche Kacheln mit Architekturrahmen aus Nürnberger
Produktion und einfache Medaillonkacheln. Bei den Glasurfarben überwiegen Grün
und Schwarz. Weitere prächtige Öfen datieren ins 17. Jahrhundert. Von einem
vollständig graphitierten Exemplar blieben eine große Menge Kacheln des Ofenkörpers
mit Medaillonkacheln mit Lorbeerkranz und Teile des aufwendig gestalteten
turmartigen Aufsatzes erhalten. Sehr prunkvoll war auch ein Ofen mit großformatigen
Kacheln, deren Spiegel prall gefüllte Fruchtkörbe zeigt.
Bei
den Glasfunden ist zunächst die große Menge an Flachglas hervorzuheben, das
eine Verglasung großer Teile der Burg ab dem 15. Jahrhundert belegt. Neben
Trinkgefäßen des 15. und der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts wie
Nuppenbecher, frühen Römern, so genannten Spechtern aus geflochtenen Glasfäden
sind vor allem die Fragmente einer so genannten Pilgerflasche und eines reich
verzierten Kännchens hervorzuheben. Aus dem 17. und 18. Jahrhundert stammen vor
allem die Reste zahlreicher Flaschen, aber auch von qualitätsvollen Weingläsern
und Karaffen.
Eine
weitere wichtige Rolle bis in die Neuzeit spielen Gerätschaften aus
bearbeiteten Knochen und Horn. So stammen aus dem zwölften Jahrhundert Teile
eines Kamms und eines Schreibgriffels. Ins 15. Jahrhundert gehört eine
Knochenflöte, während eine Schachfigur bislang nicht genau datierbar ist. Ins
16./17. Jahrhundert schließlich gehören Rosenkranzperlen, Kästchenbeschläge
und eine sehr fein gearbeitete Nadelbüchse.
Die
zahlreichen Eisenfunde konnten bislang nicht restauriert werden und sind daher
erst zum Teil näher ansprechbar. Hervorzuheben sind mehrere spätmittelalterliche
Armbrustbolzen, einige Gürtelschließen, eine Maultrommel, mehrere Messer und
ein birnenförmiger Schwertknauf.
Bei
den Buntmetallfunden verdienen insbesondere ein von Tierköpfen flankierter
Sattelbeschlag mit dem Wappen der Rundinger aus der Mitte des 12. Jahrhunderts
– eine der frühesten Wappendarstellungen einer Ministerialenfamilie im süddeutschen
Raum – und ein Renaissancemedaillon mit Darstellung eines antiken
Kriegerkopfes – möglicherweise zu einem Panzer oder eine Pferdeschirrung gehörig
– hervorgehoben zu werden.
Bei
den Funden aus Stein sind zunächst die zahlreichen Reste von Tür- und
Fenstergewänden zu nennen, daneben aber auch ein Katapultgeschoss des 12. und
zahlreiche Kanonenkugeln des späten 15. Jahrhunderts.
Insgesamt
zeigen die Funde – zumindest für bestimmte Zeiten – einen repräsentativen
Querschnitt durch einen gehobeneren adeligen Haushalt, der zudem um einige
ausgefallene Stücke ergänzt wird.
![]() |
Bruchstück
eines Humpens
|
|
|
|
![]() |
Glaskännchen
mit Nuppen- und Glasfadendekor (1. Hälfte 16. Jahrhundert?) |