Ein Beitrag von Herbert Maurer über das Notthafft-Grabmal auf dem Rundinger Friedhof, das heuer restauriert werden soll.
Herbert Maurer, Max-Planck-Straße 1, 93073 Neutraubling
200 Jahre alte Grabstätte des
Wilhelm Cajetan Notthafft wird restauriert
Runding. Mit dem Grabmal des Wilhelm Cajetan besitzt Runding eine absolut erhaltenswerte Erinnerung an die Familie Notthafft. Hergestellt wurde es vermutlich in einem der drei ehemaligen oberpfälzischen Hüttenwerke, die um diese Zeit bereits Eisenguss mit hoher Präzision für den zivilen Bereich fertigen konnten. In Frage kommen Weiherhammer bei Weiden, die Carolinenhütte bei Kallmünz und Bodenwöhr. Das monumentale Denkmal im Empirestil (2,20 Meter hoch, 80 Zentimeter breit und 44 Zentimeter tief) steht bis heute auf dem Rundinger Friedhof: zwölf Meter unterhalb der Alten Dorfkirche, direkt in Verlängerung der Mittelachse.
Für Generationen von Rundingern ist das Notthafft-Grabmal zum vertrauten Bestandteil des Friedhofs geworden, auch wenn man im Dorf über das Grab und seine Geschichte bislang wenig gewusst hat. Obwohl der Rost schon fast die ganze Oberfläche des Monuments überzogen hat, lässt sich die Inschrift noch sehr gut lesen: “Diess Denkmal treuer liebe widmet die kinderlos trauernde Gattin dem für Staat und Familie viel zu frühe verblichenen Gatten. Ruhe und Gottes Friede dem unübertreffbar edlen Manne." Der Text auf der Rückseite gibt Aufschluss über die Person des so Gerühmten: “Grabstätte des Wilhelm Cajetan Notthafft, Freiherrn von Weissenstein, K.B. Kämmerers, der Landschaft Rittersteuerers, Herrn der Herrschaft Runding und Blaibach, geboren den 18 Dezember 1778, vermählt den 7 April 1801 mit Mariane Freyin v. Pelkhofen, gestorben den 15 April 1807."
Die zwei Jahrhunderte sind an dem Grabmal nicht spurlos vorübergegangen. Das Gussmonument ist stark verrostet, die Fassung kaum noch vorhanden. In den seitlichen Platten des Mittelteils, oben an den Ecken des Eierstabfrieses und unten am Profil des Sockels kam es zu mehreren, durch Rostausdehnung verursachten Brüchen. Die als Applikationen einzeln aufgesetzten palmettenartigen Ornamente an den Ecken des Giebels sind infolge Rostausdehnung teilweise abgesprengt worden und verloren gegangen. Das Kreuz ist vermutlich durch Fremdeinwirkung abgebrochen und dann mit Blechen und Nähten geschient worden. In jüngerer Zeit sind die Ritzen zwischen den Einzelgussteilen und den Platten mit Silikon ausgefugt worden. Fehlstellen wurden mit Kitt geflickt, der inzwischen verwittert ist. Oben an den Ecken des Eierstabfrieses wurden Brüche am Guss geschweißt.
Soweit Auszüge aus einem Gutachten vom August 2003. Nach der provisorischen Reparatur vor etwa 15 Jahren ist jetzt eine grundlegende Überarbeitung unumgänglich, soll das bedeutende Zeugnis aus der jüngeren Dorfgeschichte nicht der unaufhaltsamen Zerstörung ausgeliefert bleiben und somit dem Vergessen anheim fallen.
Die Rundinger Burgfreunde haben sich in Absprache mit Kirchenverwaltung und Gemeinde der Aufgabe angenommen und die notwendigen Vorkehrungen in die Wege geleitet. Auf Initiative des Vereins hat das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege das Grabmal inzwischen in die Liste der geschützten Denkmäler aufgenommen. Die rechtliche Grundlage für die Durchführung der Restaurierung des Denkmals durch den Verein regelt ein Gestattungsvertrag mit der Kirchenstiftung Runding, dem rechtmäßigen Eigentümer.
Nachdem das Denkmalamt als maßgeblicher Zuschussgeber die Genehmigung zum vorzeitigen Baubeginn erteilt hat, kann der Restaurator tätig werden.
Auftragnehmer ist Ulrich Jahr aus Hebertsfelden im Rottal. Der renommierte Metallrestaurator hat sich auf Grauguss spezialisiert und verfügt über exzellente Referenzen. Sobald die Witterung es zulässt, wird er das Monument abbauen, um es dann in seiner Werkstatt zu überholen. Das gesamte Gussgehäuse wird dabei entrostet und durch eine Innenkonstruktion stabilisiert. Besonders stark beschädigte Teile werden durch Neuguss-Elemente ersetzt.
Die Kosten der Maßnahme belaufen sich auf 10200 Euro. Von Dr. Harald Gieß, Landesamt für Denkmalpflege, liegt eine mündliche Zusage über einen Zuschuss von 5000 Euro vor. Zur Finanzierung des Restbetrags haben die “Burgfreunde" ein Spendenkonto eingerichtet, auf dem sich bis jetzt 1570 Euro angesammelt haben. Weitere Spenden (steuerbegünstigt) sind erwünscht. Die
Bankverbindung: Sparkasse Cham BLZ 74251020, Konto 120115019.
Auf ihm ruhten die Hoffnungen der Familie
Wilhelm Cajetan von Notthafft, der vorletzte Schlossherr von Runding, starb am 15. April 1807
Mit der Ruine einer der ehemals größten ostbayerischen Burgen besitzt die Gemeinde Runding ein äußerst wertvolles Baudenkmal. Seit 1992 wird dem Verfall mit gezielten Sanierungsmaßnahmen, die seit 1999 durch baugeschichtliche Untersuchungen unter Leitung des Mittelalterarchäologen Dr. Bernhard Ernst unterstützt werden, Einhalt geboten. Ziel ist die Freilegung und Instandsetzung der kompletten Hauptburg bis zum Sommer 2006.
Burgenarchäologisch darf das Projekt schon jetzt als das größte im gesamten süddeutschen Raum betrachtet werden.
Bis 1829 im Besitz der Familie von Notthafft, war Schloss Runding vor 180 Jahren noch wohl erhalten und mit erlesenen Möbeln eingerichtet. Ein Großbrand auf seinem Schlossgut Friedenfels im Steinwald hatte die Schulden des letzten Rundinger Besitzers Carl Philipp Franz de Paula von Notthafft, Freiherr von Weißenstein, weiter stark erhöht, so dass er letztendlich gezwungen wurde, die Herrschaft Runding zu verkaufen.
Die Ursachen der seit langem auf Runding lastenden Verbindlichkeiten sind äußerst vielgestaltig und für die damalige Zeit durchaus nicht ungewöhnlich.
Nach dem Tod des letzten Grafen Notthafft von Wernberg, Johann Heinrich Franz Emanuel, am 10. Februar des Jahres 1734 kam die Herrschaft Runding durch Testamentsbeschluss an den Deutschen Orden. Daran war die 1757 in Runding verstorbene kinderlose Witwe des Grafen Johann Heinrich Franz Emanuel, Susanna Margaretha Rosalia Sophie, eine geborene Reichsgräfin von Wallmerode, nicht ganz unschuldig: Sie missgönnte den notthafftischen Hinterbliebenen das Erbe und überließ es lieber dem Deutschen Orden, bei dem einer ihrer Verwandten als Komtur tätig war. Der Deutsche Orden kümmerte sich aber wenig um eine effiziente Verwaltung und sah die Herrschafft Runding in erster Linie als Geldquelle an.
Ein weiterer Grund für den Niedergang der Herrschaft lag in dem schlechten Wirtschaften des nächsten Rundinger Besitzers, des 1696 in der Hofmark Gern bei Eggenfelden geborenen Josef Anton Cajetan, Freiherr von Weißenstein.
Nach einem über neunjährigen Streit mit dem Deutschen Orden vor dem Reichskammergericht in Wetzlar hatte er im Jahr 1759 Runding als nächststehender notthafftischer Nachfolger zugesprochen bekommen. Nach seinem Tod am 19. November 1767 wurde Josef Anton Cajetan in Runding beigesetzt. Sein 1732 auf Schloss Ittelhofen bei Neumarkt geborener Neffe Maximilian Cajetan, Freiherr von Weißenstein, war dann vom Jahresende 1767 bis 1794 der elfte notthafftische Besitzer auf Runding. Er bemühte sich nach Kräften, die Schulden zu verkleinern, hatte damit aber wenig Erfolg. Als er neben 38 Bürgschaftsurkunden auch die 150000 Gulden anmahnte, die einer seiner Vorfahren 1619 an Friedrich V. von der Pfalz (“Winterkönig³) verliehen hatte, wurde er aufgefordert, die Schuldscheine an die Regierung in Amberg einzuschicken. Nach einiger Zeit erhielt er diese in kleine Schnipsel zerschnitten zurück, aber kein Geld - wahrlich ein seltenes Beispiel staatlicher Willkür.
1764 heiratete Maximilian Cajetan die Freiin Josepha von Zedwitz, die bereits nach elf Monaten kinderlos verstarb. Aus der 1768 mit Maria Johanna Charlotte Josefa, Freiin von Künsberg, geschlossenen zweiten Ehe hatte Maximilian Cajetan vier Töchter und zwei Söhne.
Nach seinem Tod am 6. Oktober 1794 wurde Maximilian Cajetan wie schon sein Onkel in Runding beigesetzt. Beide Gräber haben sich nicht erhalten.
Nachfolger in der Herrschaft Runding wurde der jüngere von Maximilan Cajetans beiden Söhnen, der am 18. Dezember 1776 auf Schloss Friedenfels geborene Wilhelm Cajetan Notthafft. Die ganze Familie setzte große Hoffnungen in den gewandten, mit vielen guten Eigenschaften ausgestatteten jungen Mann, der nach Vollendung des 18. Lebensjahrs das Erbe annehmen konnte. Vor 1800 war er an der Universität Landshut als Student der Philosophie immatrikuliert. Am 1. Januar 1800 wurde er zum kurbayerischen Kammerherren ernannt. 1801 heiratete er am 7. April, zu Wildthurn bei Landau an der Isar, die vier Jahre ältere Maria Anna Adelheid, Freiin von Pelkhoven.
Wilhelm Cajetan war auch Rittersteuerer der Landschaft Niederbayern, das heißt, er war für die niederbayerischen Adeligen der Steuereinnehmer.
Doch die Zeit war alles andere als günstig, um Schulden tilgen zu können.
Die Beteiligung von Bayern am ersten und zweiten Koalitionskrieg der europäischen Großmächte gegen das revolutionäre Frankreich brachte gerade für die Chamer Gegend viele Truppendurchmärsche und Einquartierungen von Österreichern und Franzosen und deren Verbündeten. Als Bayern, das beim 3.
Koalitionskrieg die Fronten gewechselt und für die Franzosen Waffenhilfe geleistet hatte, am 1. Januar 1806 durch Napoleon I. zum Königreich erhoben wurde, brachte dies für den Adel neue Auflagen. So entfiel die bisher gewährte Steuerfreiheit, der Zehent konnte gegen eine einmalige Zahlung abgelöst werden. Die Scharwerksleistungen wurden kurzerhand abgeschafft.
Runding wurde von einem Herrschaftsgericht zu einem Patrimonialgericht abgestuft, wogegen sich Wilhelm Cajetan energisch, aber ohne Erfolg zur Wehr setzte. Mit vielen Sorgen belastet, verstarb er im Alter von gerade 30 Jahren am 15. April 1807 ohne Nachkommen. Er wurde wie schon sein Onkel auf dem Rundinger Dorffriedhof beigesetzt.
Seine tief trauernde Witwe ließ ihm - für die hiesige Gegend ein absolutes Novum - ein gusseisernes Grabmal aufstellen. Bald nach dem Tod ihres Mannes zog sie nach Straubing, wo sie am 15. Juni 1852 starb und auf dem Petersfriedhof beerdigt wurde. Ihr Grab ist aber nicht mehr auffindbar.
Herbert Maurer

Akut vom Verfall bedroht: Das monumentale Notthafft-Grabmal auf dem Rundinger
Friedhof steht seit 2004 unter Denkmalschutz und wird jetzt auf Initiative der
Burgfreunde von einem Fachmann grundlegend restauriert.

Wilhelm Cajetan von Notthafft war der große Hoffnungsträger seiner Familie, als
er nach Vollendung des 18. Lebensjahrs 1794 das hochverschuldete Erbe auf
Schloss Runding antrat. Sein früher Tod im Jahre 1807 leitete das Ende der
Herrschaft ein, das unter seinem Nachfolger Carl Philipp Franz de Paula von
Notthafft 1829 besiegelt wurde.

Am Grab ihres Vorfahren: Die Notthafft-Schwestern Marie-Therese von Notthafft,
Gabriele von Moreau und Elisabeth Lamberts (von links) bei einem Besuch in
Runding 1999.