Kostbarkeiten aus dem Schloss Runding

 

Egerlandmuseum Marktredwitz zeigt sehenswerte Sonderausstellung über das Adelsgeschlecht der Notthafft

 

“Auf den Spuren eines Adelsgeschlechts ­ Die Notthaffte in Bayern und Böhmen: Das ist der Titel einer grenzüberschreitenden Sonderausstellung, die bis 5. November parallel zur Landesgartenschau in Marktredwitz und Eger läuft. Während das Regionalmuseum im tschechischen Eger sich mit dem Wirken der Notthaffte im Mittelalter befasst, konzentriert sich das Egerlandmuseum im bayerischen Marktredwitz auf den Zeitraum vom ausgehenden Mittelalter bis zum 20. Jahrhundert.

Die Notthaffte waren ein Adelsgeschlecht, das über viele Jahrhunderte in der heutigen Grenzregion zwischen Bayern und Böhmen gelebt hat. Insbesondere im Egerland und in den Landkreisen Wunsiedel, Tirschenreuth oder Cham haben sie ihre Spuren hinterlassen.

Im 12. Jahrhundert entstanden unter dem Markgrafen von Nabburg und dessen Gefolgschaft die Kaiserburg Eger. Eines dieser Ministerialengeschlechter im Egerland waren die Notthaffte. Sie gründeten im 13. Jahrhundert die Burgen Wildstein (Skalná) und Falkenau (Sokolov) und erhielten gegen Ende des 13. Jahrhunderts einen ansehnlichen Besitzzuwachs im Fichtelgebirge. In dieser Zeit begannen sie sich nach Westen zu orientieren. Seit 1310 sind Familienmitglieder als Forstmeister im Egerer Reichsforst bezeugt. Dieses Amt war im Mittelalter eine lukrative Stellung, verbunden mit bedeutenden Einnahmen. Mit der Burg Thierstein errichteten die Notthaffte ihren Verwaltungssitz  (1340) inmitten dieses Waldgebiets. Es umfasste auch Teile des heutigen Landkreises Wunsiedel bzw. des Fichtelgebirges.

Nach ihrem Rückzug aus dem Egerland verbreitete sich die Familie über das Fichtelgebirge hinaus in der Oberpfalz und in Niederbayern. Es entstanden drei Hauptlinien: die Wernberger mit der Burg Wernberg bei Weiden und die Weißensteiner, deren Stammsitz die heutige Ruine Weißenstein im Landkreis Tirschenreuth ist. Die dritte Linie nennt sich zunächst nach der Burg Bodenstein bei Nittenau. Im 19. Jahrhundert gingen infolge der allgemeinen sozialen Umwälzungen und der prekären Finanzlage der Familie deren letzte große Besitzungen verloren. 1952 starben die Notthaffte im Mannesstamm aus.

Die Nachfahren der Adelsfamilie stellten für die Sonderausstellung in Marktredwitz wertvolles Inventar wie Gemälde, Bilder, Möbel oder Waffen zur Verfügung. Daneben sind in einer aufwändigen Inszenierung hochrangige Kunstschätze aus anderen Museen, Staatsarchiven, Bibliotheken und Kirchen zu sehen. Ein umfassender, zweisprachig verfasster Katalog (692 Seiten) vertieft die Themen beider Ausstellungen, die noch bis 5. November zu sehen sind.

Besonders gut vertreten in der Sonderausstellung ist Runding als Sitz der gleichnamigen Herrschaft im heutigen Landkreis Cham. Kostbare Möbelstücke, Portraits ehemaliger Schlossherren und ausgefallene Darstellungen des Schlosses Runding haben die Nachfahren der Notthaffte aus ihrem Privatbesitz zur Verfügung gestellt. Zu sehen ist sogar ein schmiedeeisener Schlüssel aus dem 17./18. Jahrhundert, bei dem es sich nach mündlicher Überlieferung um einen Hausschlüssel von Schloss Runding handelt. Unter den weiteren Exponaten befindet sich die Friedenfelser Madonna, die sehr wahrscheinlich aus der Rundinger Schlosskapelle stammt. Zur den sakralen Kunstschätzen gehören außerdem Kelche und Monstranzen, die auf Schenkungen der Notthaffte zurückgehen. Leihgeber sind die Kirchenstiftungen Runding, Rimbach, Blaibach und Weißenregen.

Die Gelegenheit, all diese und noch mehr Schätze in einer einzigen Ausstellung zu sehen, dürfte einmalig sein. Wer also vorhat, die Landesgartenschau in Marktredwitz zu besuchen, sollte eine Stunde im Egerlandmuseum einplanen.

 

 

 

Kostbares und Kurioses aus der Ausstattung des ehemaligen Schlosses Runding:

 

Zwei reich verzierte Schränke

 

ein Hausschlüssel

 

und die Friedenfelser Madonna, die sehr wahrscheinlich aus der Rundinger Schlosskapelle stammt.