Vom
Arbeitseinsatz auf der Ruine bis zum Klangfarben-Konzert
- Eine reichhaltige Palette von Aktivitäten der
Burgfreunde Runding –
Zur
Jahreshauptversammlung der Burgfreunde konnte Vorsitzender Franz Amberger am
vergangenen Samstag wieder eine sehr beachtliche Schar von Mitgliedern in der
Schlossbrauerei Brandl-Kopp begrüßen. Neben den örtlichen politischen Größen
bekundeten auch Kreisheimatpfleger Hans Wrba, der Vorsitzende der
Altstadtfreunde Cham Ludwig Wutz und Herbert Maurer vom Heimatforschungskreis
ihr Interesse an der Arbeit des Vereins. Unter den Anwesenden befand sich übrigens
auch eine „Burgfreundin“ aus Arizona/USA.
Seinen
Rechenschaftsbericht, der mit zahlreichen Dias unterlegt war, eröffnete
Amberger mit dem Hinweis auf das erklärte Hauptziel des Vereins, nämlich der
kompletten Freilegung und Sicherung der Burganlage. Runding hätte danach die größte
flächig freigelegte Burgruine in ganz Bayern, eine herausragende Attraktion
nicht nur für das Dorf und die Gemeinde, sondern auch für die ganze Region.
Auf
dem Weg dorthin sei man mit den diesjährigen Grabungen ein gutes Stück
vorangekommen. Die Mannschaft, bestehend aus dem Archäologen Dr. Bernhard Ernst
sowie 4 SAM- und 3 CAH-Kräften, habe den gesamten Nordost-Flügel freigelegt
und dabei erneut sehr viele und hochinteressante Funde und Befunde zu Tage gefördert.
Dies sei wieder ein Beweis, dass sich das Projekt lohne, so betonte der
Vorsitzende.
Die
Burgfreunde waren dabei begleitend tätig. Sie führten die im Vorjahr begonnene
Rekonstruktion der Palas-Außenmauer im Nordwesten zu Ende und sanierten im
Ostteil der Anlage die Wehrmauer im Bereich des Pferdestalls, wobei die
Mauerkronen mit einem Spezialfugenmörtel verschlossen wurden, um auf Dauer das
Einsickern von Wasser mit der damit verbundenen Gefährdung des Mauerwerks durch
Frost zu verhindern. Die Instandsetzung des Palas-Innenbereiches wurde einer
Baufirma übergeben, wobei der Verein Handlangerdienste leistete und die
Finanzierung übernahm. Wegen der Dringlichkeit der vorgenannten Maßnahmen
mussten die geplante Rekonstruktion eines der beiden Backöfen und die
Instandsetzung der Mauern im Getreidekasten auf das kommende Jahr verschoben
werden.
Im
vorgestellten Bauphasenplan zeichne sich allmählich der Grundriss der Anlage
ab; aus ihm lasse sich aber auch herauslesen, dass man jetzt keinesfalls auf
halben Weg stehen bleiben dürfe, so appellierte Amberger an die
verantwortlichen Politiker und Institutionen. Der Grabungsbericht und die
wichtigsten Funde der Grabungskampagne 2002 werden in einem eigenen Vortrag im
Frühsommer präsentiert. Die Ergebnisse der Ausgrabungen 1999/2000 sind als
Sonderdruck aus dem Vortragsbuch des 20. Niederbayerischen Archäologentages
2002 beim Verein und in der Gemeindekanzlei zum Selbstkostenpreis von 3,-- Euro
erhältlich, ebenso ein Aufsatz von Dr. B. Ernst über zwei mittelalterliche
Gluthaubenfragmente von der Ruine Runding, veröffentlicht in „Beiträge zur
Archäologie in der Oberpfalz und in Regensburg, Bd. 5“.
Mit
den Beteiligungen am Internationalen Museumstag im Mai und am Tag des offenen
Denkmals Anfang September sowie vielen Führungen auf dem Schlossberg
unterstreicht der Verein die für ihn große Bedeutung der Öffentlichkeitsarbeit.
Ein Beitrag zum Kinderferienprogramm der Gemeinde auf der Burg wurde sehr gut
angenommen. Erstmals bildete die Ruine auch das Thema eines Unterrichtsprojekts
mit Exkursion am Fraunhofer-Gymnasium in Cham.
Die
Veranstaltungspalette des Vereins reicht von der Teilnahme am Rundinger
Christkindlmarkt, über den Faschingszug, einem geselligen Hüttenabend auf dem
Haidstein, einem Schaueramt in der Vorburg, dem 5. Burgcafé Ende August bis zur
Exkursion im Herbst mit dem Thema „Ehemalige Burgen und Schlösser in der
Gemeinde Runding“ mit sehr vielen neuen Informationen von Dr. Ernst.
Die
Bemühungen des Vereins um die Rettung des denkmalgeschützten Gittahauses in
der Dorfmitte von Runding waren leider nicht von Erfolg gekrönt. Letztendlich
sei man aber mit der sich abzeichnenden zweitbesten Lösung zufrieden, nämlich
der Abtragung des Gebäudes und Wiedererrichtung andernorts durch eine Familie
aus dem Landkreis. Ansonsten würde der totale Verfall drohen, betonte Amberger,
und das wäre für alle Freunde alter bäuerlicher Baukultur unerträglich.
Die
Klangfarben-Konzerte, die der Verein zusammen mit der Pfarrgemeinde
veranstaltet, wiesen ein anerkannt hohes Niveau auf. Höhepunkt des
Konzertjahres stellte, wie auch in den Jahren zuvor, das Triduum zur Weihnachts-
und Neujahrszeit dar. Ohne Spenden wären diese allerdings nicht finanzierbar
gewesen. Noch einmal richtete daher Amberger den Dank des Vereins an alle
Sponsoren.
Insgesamt
beliefen sich die geleisteten Arbeitsstunden des Vereins seit seiner Gründung
1996 allein auf der Ruine auf zirka 4300, so leitete Amberger zum Bericht des 2.
Vorsitzenden Ludwig Biebl zu den Arbeitseinsätzen über. Auch auf die heuer
angefallenen knapp 800 Stunden könne man stolz und mit den Resultaten rundum
zufrieden sein, wenngleich sich andere Aktionsschwerpunkte als geplant im Laufe
des Jahres ergeben hätten. Allein 15 Wochenendeinsätze waren für die
Rekonstruktion der oben erwähnten Mauern im Nordwesten und Nordosten
erforderlich, dazu kamen noch Pflege- und Aufräumarbeiten. Der Dank gelte nicht
nur der Schar der Helfer, sondern auch allen, welche die Einsätze unterstützten,
unter anderem der Gemeinde und den Brotzeitspendern. Mit einem Ausblick auf die
ins Auge gefassten Maßnahmen für das nächste Jahr und dem Aufruf an alle, mit
ungebrochenem Mut weiter mitzuarbeiten, schloss Biebl den Bericht.
Kassier
Rudi Lempart konnte auf eine gesunde Finanzlage verweisen, obwohl sich der
Verein auch mit eigenen Mitteln auf der Burg engagierte. Die größten
Ausgabeposten verlangten die Sanierung des Palasbereiches durch eine Firma in Höhe
von 5400 Euro und die Plananfertigung für die Backofenrekonstruktion mit 2000
Euro. Haupteinnahmequellen bildeten vor allem die Beiträge der 324 Mitglieder
und der Erlös aus dem Burgcafé. Die Entlastung wurde einstimmig genehmigt.
Die
turnusgemäß angefallenen Neuwahlen brachten im Wesentlichen eine Bestätigung
der bisherigen Führungsriege mit Franz Amberger als ersten, Ludwig Biebl als
zweiten Vorsitzenden und Rudi Lempart als Kassier. Nur Peter Schönberger
stellte sich aus beruflichen Gründen als Kandidat zum Schriftführer nicht mehr
zur Verfügung; an seine Stelle wurde Rudi Raum gewählt. Bestätigt wurde auch
der Kassenprüfungsausschuss mit Willi Wanninger und Klaus Dittrich.
Der
alte und neue Vorsitzende dankte dem ausscheidenden Schriftführer Schönberger
für seine vorbildliche Arbeit in der Gründungsphase des Vereins mit einem
Buchgeschenk und bat ihn um weitere treue Mithilfe außerhalb des Amtes. Sein
Ausblick auf das kommende Vereinsjahr umfasste im Wesentlichen den gleichen
Katalog wie im vergangenen. Allerdings wurde auf Anregung von Herbert Maurer ein
Besuch des Burgfestes der Steinwaldia in der nördlichen Oberpfalz, welche die
ehemalige Nothaft-Burg Weißenstein wieder in beeindruckender Weise
rekonstruiert hat, ins Programm aufgenommen, ebenso der Besuch der von der Städtischen
Galerie im Cordonhaus geplanten Ausstellung historischer Ansichten von Cham und
seiner näheren Umgebung, vor allem auch von Runding.
In
seinem Grußwort dankte Bürgermeister Willi Hastreiter dem Verein für seine
vorbildliche Arbeit zum Wohl der Gemeinde. Er erläuterte den Sachstand des für
die nächsten vier Jahre geplanten CAH-Projekts mit ca. 15 Personen auf der
Ruine, das zu 40 Prozent mit EU-Mitteln aus dem Sozialfond finanziert werden
soll. Die Restfinanzierung stelle allerdings noch ein Problem dar, so führte
Hastreiter aus. Man sei aber bemüht, Mittel und Wege zu finden, neben
Landkreis, Bezirk, Denkmalamt, Landesstiftung und dem Kulturfond der bayerischen
Regierung neue Geldquellen zu erschließen, um den Anteil der Gemeinde
angesichts ihrer angespannten finanziellen Lage möglichst gering halten zu können.
In der Sache „Gittahaus“ warb er um Verständnis dafür, dass der
Gemeinderat gar nicht anders entscheiden habe können, als dem Abbruchantrag der
Besitzerin stattzugeben, weil erst dadurch wieder Bewegung in die Angelegenheit
gekommen sei und sich jetzt eine für alle Seiten akzeptable Lösung abzeichne.
Mit
einem Aufruf zur weiterhin regen Beteiligung am Vereinsleben in jeder Hinsicht
und dem Spruch des ehemaligen Ritterordens Monachia in München „Allzeit
Runding immerdar“ schloss Franz Amberger die Versammlung.
Die
Führungsriege der Burgfreunde v. l. n. r.:
1. Vorsitzender Franz Amberger, Kassier Rudi Lempart, Schriftführer Rudi Raum
und 2. Vorsitzender Ludwig Biebl