Hinterlassenschaften eines Zusammenbruchs

- Der Auszug der Notthafft dokumentiert am Fundmaterial auf der Burg Runding –

 

 

Runding: Zum kurzfristig ins Jahresprogramm der Burgfreunde Runding aufgenommenen Vortrag von Mittelalterarchäologen Dr. B. Ernst konnte der Vorsitzende, Franz Amberger, eine beachtliche Schar von Interessenten begrüßen. Unter den Gästen befand sich auch Kreisheimatpfleger Hans Wrba und Schulleiter Walter Köppl.

 

Der Dia-Vortrag "Hinterlassenschaften eines Zusammenbruchs - Der Auszug der Familie Notthafft aus der Burg Runding im September 1829" war bereits im Juni Programmpunkt bei der Tagung des West- und Süddeutschen Verbandes für Altertumsforschung in Amberg, jetzt ergänzt um die aktuellen Auswertungen und Erkenntnisse der diesjährigen Grabungskampagne.


Bereits über fünf Tonnen umfasst nach Dr. Ernst das Fundmaterial der Grabungen seit Beginn im Jahre 1999. Eine Sonderstellung nimmt dabei der Fundkomplex ein, der im Zusammenhang mit dem Ende der Notthafftschen Herrschaft auf Runding steht. Rechts neben der Freitreppe zum Palas kamen in einer Halbkeller-Nische die Reste mehrerer hundert Gefäße zu Tage, teils noch des 17., vor allem aber des ausgehenden 18. und frühen 19. Jahrhunderts. Die Funde lagen dicht an dicht, was bereits auf eine zeitlich begrenzte Ablagerung schließen lässt. Für die Datierung von Ausschlag gebender Bedeutung ist neben fünf weiteren Münzen ab 1796 ein Pfennig des bayerischen König Max I. mit dem Prägedatum 1825, der in der untersten Fundschicht geborgen wurde. Somit gilt es als erwiesen, dass die darüber liegenden Funde nicht eher deponiert sein konnten.


Den größten Teil des Fundkomplexes nimmt dabei die glasierte Irdenware ein, mit den Resten von mindestens 300 Gefäßen. Am häufigsten sind innenglasierte Henkeltöpfe in Gelb- oder Brauntönen unterschiedlicher Größe und Proportionierung vertreten. Auch Bräter, Dreibeintöpfe, Bratreinen kommen in beachtlicher Zahl vor. Vielfach weisen diese Küchenutensilien Gebrauchsspuren in Form von Verrußungen und Absplitterungen auf.


Die zweite große Fundgruppe umfasst Schüsseln, Schalen und Teller, zum Teil mit aufwändigen Dekor in Malhorn- und Tupfentechnik. Überraschenderweise lassen sich einige der Fundstücke ins 17. Jahrhundert datieren, was von einer Spätentsorgung lange aufgehobener "Museumsobjekte" zeugen könnte oder von einer unsauberen Trennung der untersten früheren Schicht von der darüberliegenden Verfüllung um 1829 bei der Bergung der Scherben.
 

Gut vertreten ist auch Porzellan Nymphenburger Herkunft von einfacher und gehobener Güteklasse. Dazu zählen Teile eines Service mit Muscheldekor aus dem letzten Viertel des 18. Jahrhunderts, darunter auch Reste des ab 1797 produzierten Perlrandservice. Darüberhinaus tauchten auch viele Krüge und Bierhumpen aus Steinzeug nach Westerwälder Art und zahlreiche Mineralwasserflaschen unter anderem auch mit dem Selters-Stempel auf. Bei den Glasfunden sind Becher und Humpen mit Rippen- und Schliffdekor zu nennen.
 

Das Fazit des Archäologen lautet: Das gesamte Fundmaterial lag genau unterhalb der im ersten Obergeschoss befindlichen Küche. Aus dieser bzw. ihrem Vorraum wurde offenbar beim Auszug der Familie Notthafft im September 1829 der größte Teil des bis dahin in Gebrauch befindlichen Küchen- und Tafelgeschirrs entsorgt, und zwar der Teil, der nicht in den neuen Familiensitz Schloss Friedenfels in der nördlichen Oberpfalz mitgenommen werden konnte oder sollte. Eine Deutung als längerfristig angelegte Abfallgrube scheidet aus, da zum einen die Deponierungszeit frühestens 1825 eingesetzt haben könnte und eine derartige Anhäufung von Ausschuss in nur vier Jahren sehr unwahrscheinlich wäre. Zum anderen hätte eine so große Müllhalde unmittelbar neben der repräsentativen Haupttreppe keinen guten Eindruck gemacht.
 

Vermutlich stehen noch zwei weitere kleinere Fundstellen in Zusammenhang mit dem Auszug der Notthafft: Die eine ist eine Abwurfhalde unterhalb des nordöstlichen Küchenfensters und die andere die bis zuletzt genutzte Latrinenanlage im Nordostflügel. Die Funde dort entsprechen den oben genannten sehr gut. Eine nette Überraschung stellt eine große Anzahl von glasierten Miniaturgefäßen in Puppenküchenformat dar, das das gesamte Spektrum des Gebrauchsgeschirrs umfasst.
 

"Insgesamt bilden die drei nahe beieinander liegenden Fundkomplexe", so Dr. Ernst in seinem Resümee, "einen eindrucksvollen Befund für die Turbulenzen beim Zusammenbruch der Notthafftschen Herrschaft in Runding."
 

In der anschließenden Diskussion kam auch das Fundlesematerial aus der Sammlung des früheren Chamer Kunsterziehers und Geschichtsforschers Wolf zur Sprache. Bedauert wurde, dass die unsachgemäß im Keller des Hallenbades in Cham gelagerten Säcke mit Graukeramik noch immer nicht ihren Weg zurück nach Runding gefunden haben. Auch die wieder offene museale Präsentation der Fundobjekte wurde diskutiert, da die Alte Dorfkirche in Runding sich wegen ihrer hohen Raumfeuchtigkeit als untauglich erwiesen hat.
 

Zum Abschluss wies Franz Amberger darauf hin, dass Runding demnächst auch ein Thema im Rahmen einer archäologischen Tagung in München sein wird.

 

 

 

Nymphenburger Porzellan einfacher und gehobener Güteklasse

 

 

Eine nette Besonderheit: ein Satz von Miniaturgeschirr für Kinder